Manchmal schwelt eine Frage lange im Hintergrund, bevor sie endlich auf den Tisch kommt. Beim Kinderschutzbund Burgdorf war das nicht anders. Der Verband hat in den letzten Jahren einen echten Wandel durchgemacht.

Und mittendrin steht ein Steuerungskreis aus Vorstand und Hauptamtlichen, die alle eines gemeinsam haben: Sie brennen für Kinder und Familien in der Region, viele von ihnen seit der Gründung.

Doch genau da, wo das Engagement am größten ist, wird Entscheiden manchmal am schwersten. Denn was rational eindeutig scheint, kann emotional etwas ganz anderes bedeuten. Und was das Herz verteidigt, muss nicht zwingend falsch sein.

Erst verstehen, dann entscheiden

Der pro bono Workshop beim Kinderschutzbund Burgdorf begann nicht mit Abstimmungen oder Argumenten, sondern mit einer einfachen Frage: In wenigen Stichworten: Wie sieht die Lage gerade aus? Jede Person im Raum kam zu Wort, die Antworten wurden sichtbar gemacht. Kein Kommentar, kein Widerspruch. Erst einmal: sehen, was ist.

In Kleingruppen ging es dann in die Vergangenheit: Worauf sind wir stolz? Was bedauern wir? Und von dort aus in die Zukunft: Was sind unsere Hoffnungen – und was unsere Befürchtungen?

Was durch die Methode „Die Lage der Nation“ sichtbar wurde: Es gab Menschen, die das Gleiche wollen und es auf unterschiedliche Weise schützen. Und alle Perspektiven haben ihre Berechtigung.

Vom Verstehen zum Handeln

Mit dem Blick auf Stolz, Bedauern, Hoffnung und Befürchtungen erarbeitete die Gruppe Maßnahmen: Was müsste passieren, damit Hoffnungen wahr werden und Befürchtungen nicht eintreten? Über systemisches Konsensieren – ein Verfahren, das nicht den größten Jubel sucht, sondern den geringsten Widerstand – wurden die tragfähigsten Ideen herausgefiltert.

Zwei Optionen wurden in Kleingruppen ausgearbeitet und dann in zwei Runden abgestimmt. Erste Runde: Welche Lösung ist die richtige für den Kinderschutzbund? Alle Hände zeigten in die gleiche Richtung. Zweite Runde: Welche Lösung ist persönlich attraktiver? Das Bild war gespalten und das war völlig in Ordnung. Denn beides durfte gesagt werden.

Die endgültige Entscheidung konnte an diesem Tag nicht fallen; nicht alle Vorstandsmitglieder waren anwesend. Aber sie war gut vorbereitet. Und das Wichtigste war passiert: Unausgesprochenes hatte einen Platz bekommen. Rationales und Emotionales waren nicht gegeneinander ausgespielt worden, sondern nebeneinander betrachtet.

Am Ende: Blumen, Buffet und ein großes Aufatmen

Die Grundschule vor Ort erwies sich als idealer Tagungsort: nah dran, vertraut, bodenständig. Die Verpflegung war schlicht großartig. Und am Ende überreichte der Kinderschutzbund einen wunderschönen Blumenstrauß – eine kleine Geste, die viel sagte.

Pro bono bedeutet für uns nicht weniger Sorgfalt, sondern dieselbe Haltung wie immer: zuhören, strukturieren, Raum schaffen. Damit Teams das entscheiden können, was wirklich zu ihnen passt.

Danke für die zielführende gemeinsame Arbeit!

Silke Engel

Bild: Kinderschutzbund