Oder: Wie ich drei Stunden lang nicht aus dem Fenster schauen durfte… „Die Nichteinhaltung dieser Verhaltensregeln wird als Täuschungsversuch gewertet und führt zu einem Nichtbestehen der Prüfung.“ So beginnt mein Weg als KI-Managerin.
Bevor auch nur eine einzige Prüfungsfrage erscheint, lese ich mich durch eine Liste an Auflagen des Fraunhofer-Instituts. Audio-, Video- und Bildschirmdaten werden ausgewertet. Prüfungsbeauftragte der Fraunhofer-Personenzertifizierungsstelle können mir virtuell über die Schulter schauen. Kein Headset. Keine Notizen. Keine weiteren Geräte. Keine zweite Person im Raum. Keine Unterlagen in Reichweite. Keine Selbstgespräche.
Selbstgespräche… Etwas länger als auf die anderen, starre ich auf diesen Punkt.
Meine Prüfung zur KI-Managerin
Ich hatte mir Nüsse und Apfelscheiben bereitgestellt. Immerhin – „unverpackte Lebensmittel“ sind erlaubt. Trinken auch. Einmal darf man den Raum verlassen, um auf die Toilette zu gehen. Mehr nicht.
Mein Regal im Hintergrund? Mit Tüchern abgehängt.
Der zweite Bildschirm? Umdrehen und ebenfalls abdecken.
Alle Unterlagen? Aus dem Raum entfernt.
Smartphone? Natürlich nicht in der Nähe.
Papier? Verboten. Mitschreiben? Nicht erlaubt.
Was mich aber am meisten beschäftigt: Ich neige dazu, beim Denken leise vor mich hinzusprechen. Besonders dann, wenn ich Wissen strukturiere oder komplexe Zusammenhänge durchgehe. Genau das ist untersagt. Keine Selbstgespräche. Keine Fragen laut vorlesen. Kein gedankliches Strukturieren über die Stimme.
Und dann dieser Punkt: nicht aus dem Blickfeld der Kamera verschwinden.
Ich schaue beim Nachdenken normalerweise aus dem Fenster. Immer. Das ist mein Fokuspunkt. Meine Art, Informationen zu sortieren.
Diesmal heißt es: drei Stunden auf den Bildschirm schauen.
Drei Stunden. Keine Multiple Choice. Nur Transfer.
Als die Prüfung beginnt, wird schnell klar: Das ist kein Ankreuztest. Keine Multiple Choice-Fragen, die man mit gutem Bauchgefühl lösen kann, sondern anspruchsvolle, offene Fragen. Transfer. Anwendung. Strategie. Architektur. Governance.
Und dann sind sie alle da, die letzten drei Wochen.
- AI Basics.
- AI Ideation.
- Strategizing.
- AI Design
- AI Implementation.
Drei Wochen zwischen Vertrautem und „hartem Tobak“
Der Kurs selbst war vollständig online organisiert. Drei intensive Wochen mit klarer Struktur: Kick-off-Webinare am Morgen, Selbstlernmodule am Vormittag, interaktive Workshops am Nachmittag. Dazu freiwillige Vertiefungen und am Ende diese Prüfung.
AI Basics
Ein sauberes Fundament. Was ist KI wirklich – und was ist sie nicht?
Wie unterscheiden sich Automatisierung, Datenanalyse und Machine Learning?
Weniger Buzzword-Bingo, mehr Klarheit.
AI Ideation
Vieles kam mir vertraut vor: Visionen entwickeln, Use Cases identifizieren, priorisieren, konkretisieren.
Und doch war es hilfreich, alles einmal systematisch durchzuspielen, inklusive KI-Service-Canvas und klarer Bewertung entlang strategischer Ziele.
Strategizing
Hier wurde es deutlich anspruchsvoller.
- Wie zahlt KI konkret auf Unternehmensziele ein?
- Wie baut man Governance-Strukturen auf?
- Welche Rollen und Kompetenzen braucht es?
- Wie verankert man Ethik, Risikomanagement und regulatorische Anforderungen wie den EU-AI-Act sinnvoll im Unternehmen?
Spätestens jetzt merkt man: KI ist kein IT-Projekt. Es ist Organisationsentwicklung.
AI Design: mein persönlicher Respekt-Moment
Datenstrategien. Referenzarchitekturen. Cloud vs. Edge. Technologie. Human-AI-Interaction. UX-Fragen. Datenqualität als strategisches Asset.
Das war wirklich „harter Tobak“. Und gleichzeitig unglaublich wertvoll, weil klar wird: Gute KI entsteht nicht nur im Modell, sondern in der sauberen Verzahnung von Daten, Architektur, Nutzerzentrierung und Governance.
AI Implementation
Vom Proof-of-Concept in den Betrieb.
ML-Lifecycle. MLOps. Monitoring. Umgang mit Daten-Drift. Skalierungs-Roadmaps.
Das Modul, das entscheidet, ob KI-Projekte Pilotstatus behalten oder echte Wirksamkeit entfalten.

Doch nun zurück zur Prüfung als KI-Managerin
Irgendwann vergesse ich die Kamera. Vergesse, dass ich nicht aus dem Fenster schauen darf. Vergesse, dass ich eigentlich leise mit mir selbst sprechen würde. Ich denke. Schreibe. Strukturiere – diesmal nur im Kopf. Drei Stunden Konzentration. Eine Mini-Pause. Mehr nicht.
Und dann: Abgabe.
Ein paar Tage später die Nachricht.
Ich habe bestanden!
Jetzt bin ich ganz offiziell KI-Managerin
Mit dem Zertifikat der Fraunhofer-Personenzertifizierungsstelle bin ich nun offiziell KI-Managerin. Was sich für mich verändert hat?
Ich habe mehr Klarheit, mehr methodische Sicherheit und ein noch stärkeres Verständnis dafür, wie Strategie, Technologie, Organisation und Governance zusammenspielen müssen, damit KI wirklich unterstützt.
Und vor allem habe ich noch mehr Lust darauf, dieses Wissen einzusetzen.
Wenn Sie oder Ihr Unternehmen darüber nachdenken, KI einzuführen, Use Cases zu priorisieren, Governance aufzubauen oder bestehende Initiativen strategisch weiterzuentwickeln – lassen Sie uns sprechen.
Ich freue mich auf einen ersten Austausch.
Herzliche Grüße

