Automatisiert, aber nicht transformiert?

Was wir in Halle über KI, HR und Führung gelernt haben

Einmal im Jahr nehmen wir uns bei flow bewusst Zeit für uns selbst. Keine Kundentermine und keine Seminare, die wir leiten, sondern ein paar Tage, an denen wir Beraterinnen und Berater selbst die Lernenden sind.

In diesem Sommer führte uns unser Sommerworkshop nach Halle an der Saale. Eine Stadt, die man leicht unterschätzt: viel Geschichte, viel Grün und eine lebendige Universität. Genau der richtige Ort, um über die Zukunft der Arbeit nachzudenken.

Im Mittelpunkt stand eine Frage, die uns in fast jedem Kundenprojekt begegnet: Was macht Künstliche Intelligenz mit HR, und was macht sie mit Führung? Dazu hatten wir zwei Gäste eingeladen, die sich seit Jahren wissenschaftlich und praktisch mit genau diesem Thema beschäftigen: Dr. Christian Hoßbach und Christopher Müllner (M. Sc.) vom Lehrstuhl für Personalwirtschaft & Business Governance der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und vom KI-HR-Lab. Ihr Impuls trug den Titel „Automatisiert, aber nicht transformiert? Drei Jahre KI im HR auf dem Prüfstand“. Er hat uns lange beschäftigt.

Der Impuls: automatisiert ist nicht gleich transformiert

Das KI-HR-Lab beschäftigt sich seit 2018 mit der Frage, was KI in der Personalarbeit verändert. Entsprechend nah an der Praxis war der Impuls. Eine Erkenntnis: Viele KI-Tools im HR automatisieren Bestehendes. Sie digitalisieren das Alte, verändern aber nicht das Denken. Echte Transformation entsteht erst, wenn man neben der Technik auch Kultur und Rollen in den Blick nimmt.

Wir haben zu dem Thema auch mit eigens gestalteten Personas gearbeitet und praktische Beispiele diskutiert. Eins davon: Wenn Mitarbeitende wissen, dass Meetings aufgezeichnet werden, wägen sie stärker ab, was sie sagen – gleichzeitig vereinfacht dies das Protokollieren. Ob KI-Tools akzeptiert werden und wirken, hängt maßgeblich von der psychologischen Sicherheit im Team ab. Technik allein entscheidet also wenig. Genau an diesem Punkt haben wir als flow weitergedacht.

Unser Blick: Führung setzt an den Seiten an

In unserer Arbeit mit Führungskräften nutzen wir einen bewährten Denkrahmen: Mensch, Technik, Organisation. Der MTO-Ansatz geht auf die soziotechnische Systemforschung von Emery und Trist zurück und wurde von Strohm und Ulich an der ETH Zürich weiterentwickelt. Unser Blick darauf ist allerdings ein etwas anderer: Uns interessieren weniger die drei Ecken als vielmehr die drei Seiten dazwischen. Denn dort, wo Mensch, Technik und Organisation aufeinandertreffen, entscheidet sich, ob KI im Alltag trägt.

Die MT-Seite: Mensch und Technik. Hier geht es um die direkte Zusammenarbeit mit KI-Werkzeugen. Wesentlich ist, dass die Menschen, die mit KI arbeiten, nicht ihr Denken auslagern. Sondern dass Sie – wie von der Mehrheit unserer Kunden bevorzugt, KI als Sparringspartner nutzen. Sonst kann es leicht zu “Schein-Ergebnissen” kommen.  Das ist kein Argument gegen KI, aber eines für bewusst gestaltete Nutzungsroutinen.

Die TO-Seite: Technik und Organisation. Hier geht es um Rahmen, Prozesse und Verantwortung. Gefühlte Sicherheit ersetzt keine Prüfung. Dazu kommt: Seit dem 2. August 2026 ist der Großteil des EU AI Act anwendbar, inklusive der Pflichten für Hochrisiko-Anwendungen. Darunter kann auch KI in der Personalauswahl fallen.

Die OM-Seite: Organisation und Mensch. Hier geht es um Beteiligung, Kultur und Vertrauen. Die entscheidende Frage lautet nicht „Wo bauen wir überall KI ein?“, sondern: „Welche Rolle soll KI in unserer Zusammenarbeit überhaupt spielen?“ Teams, die sich darauf bewusst verständigen, können besser steuern, was geschehen soll und was nicht.

Ein Team, drei Seiten: wie das im Alltag aussieht

Stellen Sie sich einen Vertriebsinnendienst mit acht Personen vor (ein fiktives Beispiel). Mehrere Teammitglieder nutzen auf eigene Initiative KI für Angebote und Kundenkorrespondenz. Die Angebote sind schneller fertig, müssen aber häufiger nachgebessert werden: glänzende Formulierungen, generische Inhalte.

Mit dem Blick auf die drei Seiten wird aus diesem diffusen Unbehagen etwas Greifbares. An der MT-Seite fehlt geteiltes Wissen, wofür sich das Tool eignet. An der TO-Seite ist unklar, wer vor dem Versand gegenliest. Und an der OM-Seite braucht es Beteiligung statt Anweisung. Heraus kommen drei kleine Maßnahmen statt eines großen Programms. Welche das sind, zeigen wir im Webinar.

Führung gestaltet die Wirkung

Während unseres Sommerworkshops in Halle haben wir lange darüber diskutiert, was an Führung im KI-Zeitalter wirklich neu ist. Unsere Antwort: erstaunlich wenig. Schon lange vor dem aktuellen KI-Hype, brachten es Frankiewicz & Chamorro-Premuzic in der Harvard Business Review auf den Punkt: „Digital Transformation Is About Talent, Not Technology.“ Oder, wie wir es formulieren: Technologie verändert die Mittel. Führung gestaltet die Wirkung. Es gilt also weiterhin:

  • Mit dem Problem beginnen, nicht mit dem Tool.
  • Rollen und Verantwortung explizit machen.
  • Überprüfung von Ergebnissen nachhaltig organisieren.
  • Menschen aktiv beteiligen, nicht nur informieren.

Mehr als KI: Stiftungen, Kamera und ein gedeckter Tisch

So intensiv die Diskussionen über Agenten, HR und psychologische Sicherheit waren, ein Sommerworkshop bei flow ist nie nur Fachprogramm. Wir glauben daran, dass gute Beratung von Menschen lebt, die neugierig bleiben. Auch jenseits ihres eigenen Themenfelds.

Deshalb haben wir uns Zeit genommen für die Franckeschen Stiftungen, eines der bemerkenswertesten Ensembles in Halle. Wer durch die historischen Gebäude geht, spürt, wie viel Bildung, Mut und Gestaltungswille hier einmal zusammengekommen sind. Ein passender Rahmen für Gespräche darüber, wie Lernen in Organisationen heute aussehen kann.

Dann wurde es kurz ungewohnt für uns: Fotoshooting. Beraterinnen und Berater, die sonst vor Gruppen stehen, standen plötzlich vor der Kamera. Es gab viel Gelächter, ein paar Versuche zu viel und am Ende Bilder, auf die wir uns freuen.

Und weil gute Gedanken Nahrung brauchen, haben wir abends zusammen gegessen: lecker, lang und mit Gesprächen, die längst nicht mehr nur um KI kreisten. Vielleicht ist das die schönste Erkenntnis dieses Workshops: Was KI nicht ersetzt, ist genau das, was an solchen Abenden passiert.

Weiterdenken: unser kostenloses Webinar am 4. November 2026

Wenn auch Sie sich in Ihrer Organisation mit Fragen zu KI, HR und Führung beschäftigen, laden wir Sie herzlich ein, mit uns weiterzudenken. In unserem kostenlosen Online-Workshop „KI-Management für Führungskräfte: KI verstehen, einordnen und gestalten“ geht es genau um die Schnittstelle, die uns in Halle bewegt hat: zwischen Technik, Organisation und Mensch.

  • Wann: Mittwoch, 4. November 2026, 10:30 bis 12:00 Uhr
  • Wo: online via Zoom
  • Für wen: Führungskräfte aller Ebenen, HR-Fachleute und alle Interessierten
  • Inhalte: die drei MTO-Kanten als Kompass, aktuelle Studien von 2024 bis 2026, das vollständige Fallbeispiel und als Werkzeug zum Mitnehmen unser AI-Readiness-Check

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Ich freue mich auf Sie!

Silke Engel