Was passiert, wenn über 30 Führungskräfte aus Konzernen, Mittelstand und öffentlicher Verwaltung zusammenkommen, um über die drängendsten Fragen moderner Organisationen zu sprechen? Genau das erlebten wir am 27. Februar 2026.

Und zwar bei unseren diesjährigen Celler Impulsen – einer Veranstaltungsreihe, die in bewährter Tradition und in regelmäßig unregelmäßigen Abständen hochkarätige Denkerinnen und Denker nach Celle bringt. Dieses Jahr im sonnendurchfluteten und stilvollen Rahmen des Celler Prinzenpalais, ermöglicht durch unseren Partner Unternehmer Celle.

Zwei Vorträge, zwei Impulse, viele Denkräume und eine Atmosphäre, die sich von Anfang an besonders anfühlte: neugierig, offen und eben einfach im flow.

Impuls 1: KI macht Arbeit – aber wie gestalten wir sie richtig?

Ernüchternde Zahlen, hilfreiche Einladung zur Reflexion

Prof. Dr. Tobias Kämpf eröffnete den Tag und eine seiner Thesen ließ besonders aufhorchen: 95 % aller KI-Projekte scheitern und selbst bei den verbleibenden 5 % wird der erwartete Nutzen häufig nicht realisiert. Angesichts der Euphorie, die das Thema KI derzeit begleitet, wirkte das zunächst wie ein Eimer kaltes Wasser und zugleich wie eine dringend nötige Einladung zur Reflexion.

Nicht die Technik entscheidet sondern der Mensch

Doch Kämpfs Botschaft stellte eben nicht das Scheitern, sondern das Lernen in den Mittelpunkt. Im Rahmen der „Human Friendly AI“-Initiative wurde umfassend analysiert, was denn die erfolgreichen KI-Projekte von den gescheiterten unterscheidet. Das Ergebnis ist eindeutig: Erfolg entsteht nicht durch bessere Tools, sondern durch bessere, vor allem auf Partizipation ausgerichtete Organisationsgestaltung. 80 % der Transformation finden an der Schnittstelle von Mensch und Organisation statt – die Technik ist nachrangig.

Führungskräfte aus dem Publikum diskutieren mit den Vortragenden

Die menschlichen Fragen hinter der digitalen Transformation

Was das konkret bedeutet? KI verändert nicht nur Prozesse. Sie verändert Führungsmodelle, Qualifikationsanforderungen, Entscheidungsstrukturen und Verantwortlichkeiten. Für Unternehmen stellen sich dabei sehr menschliche Fragen: Wie gelingt es, Akzeptanz bei den Beschäftigten zu schaffen, statt Unsicherheit zu produzieren? Was bleibt von bisherigen Aufgaben übrig und was entsteht Neues? Wie gehen wir mit dem Paradox um, dass genau diejenigen KI mit Wissen füttern sollen, deren Aufgaben gegebenenfalls genau diese KI künftig übernehmen wird?

Drei Säulen des Erfolgs

Erfolgreiche Organisationen, so Kämpf, setzen auf drei Säulen: die Transformation der Gesamtorganisation, einen werteorientierten Ansatz und die Befähigung der Beschäftigten. Wer KI als reines Technologieprojekt begreift, wird scheitern. Wer es hingegen als organisationalen Wandlungsprozess gestaltet – gemeinsam mit den Menschen, die ihn tragen sollen – hat echte Chancen.

Impuls 2: Geheimhaltung – die versteckte Architektur von Organisationen

Eine These, die provoziert und überzeugt

Prof. Dr. Jana Costas betrat das Podium mit einer Eröffnungsthese, die zunächst provokativ klang: Geheimhaltung ist konstitutiv für Organisationen und Führung. Nicht als Makel, nicht als Ausnahme, sondern als strukturelles Prinzip.

Geheimnisse als Machtinstrument

Sie beschreibt Geheimhaltung als „versteckte Architektur“ von Organisationen: Organisationen schaffen Geheimnisse und Geheimnisse schaffen Organisationen. Das klingt philosophisch, hat aber sehr praktische Konsequenzen. Für Führung ergeben sich konkrete Machtmechanismen: Geheimnisse als Quelle von Charisma und Kontrolle, als Instrument der Einweihung. Wer etwas weiß, gehört dazu und der gezielte Ausschluss von Informationen ist durchaus ein Druckmittel.

Das Spannungsfeld zwischen Transparenz und Vertraulichkeit

Gerade im unternehmerischen Kontext berührt dies sensible Bereiche wie strategische Entscheidungen, Personalmaßnahmen, Compliance-Themen, interne Untersuchungen. Zwischen Transparenzanforderungen, arbeitsrechtlichen Beteiligungsrechten, Hinweisgeberschutz und unternehmerischer Vertraulichkeit entsteht ein Spannungsfeld, das nicht von selbst verschwindet.

Geheimhaltung neu denken

Der Vortrag forderte dazu auf, den aktuellen Trend zu hoher Transparenz in Organisationen differenziert zu betrachten. Transparenz hat ihren Wert. Doch Geheimhaltung ist kein Gegenteil von gutem Führen, sondern ist Teil davon. Führung zeigt sich nicht nur im Entscheiden, sondern auch im verantwortungsvollen Umgang mit Information und Nicht-Information. Wer das ignoriert, versteht Organisationen nur halb.

Was bleibt

Präzise Fragen statt einfacher Antworten

Beide Vorträge hatten eines gemeinsam: Sie lieferten keine einfachen Antworten, sondern präzise Fragen und damit das Werkzeug, die eigene Organisation besser oder auch anders zu verstehen.

Pausengespräch an Stehtischen

Vernetzung, die trägt

Die lebhaften Diskussionsrunden zeigten, wie sehr die Themen getroffen hatten. Gespräche entstanden quer durch Branchen und Hierarchien. Wissen und Perspektiven wurden geteilt. Genau das ist der Geist, für den die Celler Impulse stehen: fundierte Impulse, offene Diskussionen, unternehmerische Klarheit.

Unser herzlicher Dank gilt Prof. Dr. Tobias Kämpf und Prof. Dr. Jana Costas für Vorträge, die weit über den Tag hinaus wirken werden. Danke an alle Teilnehmenden, die diesen Tag durch ihre Neugier und Offenheit erst möglich gemacht haben. Und danke an Unternehmer Celle für die unkomplizierte und deutlich spürbare Gastfreundschaft im Prinzenpalais. Einen kurzen Einblick bekommen Sie in diesem Film zu den Celler Impulsen 2026.

Viele Grüße

Anneli Gabriel

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Bild: flow consulting