Das Tool ‚silent prioritization’ macht deutlich, wie viel gesagt werden kann, ohne zu reden. Es geht darum, eine Priorisierung von Themen oder Aktivitäten vorzunehmen – ohne lange „taktische“ Diskussionen.

In unserem diesjährigen flow-Sommerworkshop haben wir im Team der flow-Beraterinnen und Berater ausgewählte bereits erfolgreich eingesetzte Change-Instrumente selbst ausprobiert. Besonders beeindruckt hat mich das Tool ‘silent prioritization’ (*) und deshalb empfehle ich es Ihnen an dieser Stelle gerne weiter. Probieren Sie es selbst mal in einem Ihrer nächsten Meetings aus.

Die Kurzanleitung

Alles, was Sie brauchen sind ca. 10-20 Minuten Zeit, ein wichtiges Thema und eine Gruppe, die Interesse daran hat, die Inhalte oder Maßnahmen zu diesem Thema zu priorisieren. Die Gruppe sollte aus mindestens 5 und maximal 20 Mitgliedern bestehen.

Vorbereitung und Spielregeln

Schreiben Sie die wichtigsten Aspekte des Themas auf Moderationskarten (oder Zettel oder große Post-its) – also z. B. alle Maßnahmen, die für die erfolgreiche Umsetzung eines Change-Projektes notwendig sind. Auf jeder Karte steht je ein Stichwort oder ein Kurzsatz.

Verkünden Sie die Spielregeln von ‘silent prioritization’:

  • Sämtliche Karten werden bunt gemischt auf einen Tisch gelegt.
  • Die Gruppenmitglieder positionieren sich um den Tisch herum.
  • In den folgenden Runden werden die Karten priorisiert.
  • Pro Runde darf jedes Gruppenmitglied nur eine Karte an die Stelle bewegen, die es für richtig hält.
  • Dabei darf niemand mehr sprechen. Es muss geschwiegen werden.
  • Die Gruppe legt die Reihenfolge fest, in der die Beteiligten in den folgenden Runden vorgehen möchten.
  • Diese Reihenfolge wird verbindlich eingehalten – ich empfehle den Uhrzeigersinn.

Schritt 1

Stellen Sie nun die Priorisierungsfrage, z. B. „Welches Thema ist aus Deiner Sicht wichtiger?“ Eine Karte mit dem Wort „wichtiger“ legen Sie an das eine Ende des Tisches, eine Karte mit dem Wort „unwichtiger“ legen Sie an das andere Ende. Achten Sie darauf, diese Priorisierungsfrage vage zu formulieren, also ‘wichtiger / unwichtiger’ oder ‘höher / niedriger’ oder ‘mehr / weniger’ oder ‘besser / schlechter’.

Schritte 2 bis x

In der festgelegten Reihenfolge hat jedes Gruppenmitglied pro Runde nun genau einen ‘Zug’ zur Verfügung, um jeweils eine der Karten an die aus individueller Sicht stimmige Position auf der Skala zu legen. Möchte jemand keine Veränderung an der vorliegenden Reihenfolge vornehmen, wird der ‘Ball’ einfach weiter gegeben.

‘Silent prioritization’ ist beendet, wenn kein Gruppenmitglied mehr Veränderungen vornimmt. Oder, wenn Sie merken, dass die Gruppe sich in ‚Spielchen’ verliert.

Mein Fazit

Es war faszinierend zu erleben, wie laut Stille werden kann. Wir haben im Verlauf der Übung oft und herzlich gelacht, einfach weil das Schweigen für so Einige eine echte Herausforderung war oder weil sie es sehr eilig hatten, ihre ‘Meinung kund zu tun’ und im Eifer einfach mal den oder die Kollegin übersprungen haben, die laut Spielregel vor ihnen dran gewesen wäre. Da ist dann strikte Moderation gefragt. Vor allem, wenn es nicht wie bei uns ‘nur’ eine Übung ist, sondern wenn es um wirklich wichtige Themen für die Beteiligten geht.

Für eher Introvertierte ist ‘silent prioritization’ jedenfalls eine Wohltat – ‘diskutieren’ ohne lange Diskurse und Argumentationsschleifen.

Und übrigens: Dieses Tool funktioniert auch für die Urlaubsplanung in der Familie. Viel Spaß dabei!

Wenn Sie an weiteren Change-Tools interessiert sind, schauen Sie mal in die Bücher Change-Tools oder Change-Tools 2 rein. Dort haben wir vom flow-Team weitere Tools aus unserer Arbeit veröffentlicht, wie z.B. ‘Pinocchio’ oder ‘Hurra, ein Befehl’ – Downloadmöglichkeit inklusive.

Beste Grüße

Anneli Gabriel

(*) Quelle: Häusling, A., Römer, E., Zeppenfeld, N. (2018): Praxisbuch Agilität. Tools für Personal- und Organisationsentwicklung. Freiburg, S. 113-114.

Foto: pixabay